Blizzard hat offiziell eine Klage gegen den Privatserver Turtle WoW eingereicht. Diesem werden Urheberrechtsverletzungen, aber auch der Verstoß gegen den Digital Millennium Copyright Act und vorsätzliche Beeinträchtigung vertraglicher Beziehungen vorgeworfen. Doch mit welchem Ziel und warum jetzt?
Worum geht es in der Klage? Es heißt, dass die Entwickler von Turtle WoW ohne Absprache ein Business auf Basis der IP aufgebaut hätten. Sie würden zudem Spieler auf unautorisierte Server bringen, die, wenn es dort zu Sicherheitsproblemen kommt, trotzdem negative Auswirkungen auf den Ruf von Blizzard haben könnten.
Interessant ist auch der Abschnitt 9, in dem es heißt, dass Turtle WoW zuletzt die Aktivitäten in den sozialen Medien und im Zusammenhang mit Influencern erhöht habe, um größere Bekanntheit zu erlangen. Es wurde sogar Werbung über Google Adsense geschaltet und es wurden offizielle Beiträge von Blizzard mit dem Account von Turtle WoW kommentiert.
Wer sich übrigens durch die Schrift wühlt, findet darin die Klarnamen und Wohnorte der Köpfe hinter dem Projekt. Es ist also keine Klage ins Blaue, sondern wurde intensiv vorbereitet.
Was ist das Ziel der Klage? Blizzard möchte, dass:
- die Urheberrechtsverletzung allen handelnden Personen untersagt wird.
- der Server Turtle WoW geschlossen wird.
- alle Social Media Accounts gelöscht werden.
- alle zum Spiel gehörigen Kopien, Materialien und auch die Domain und das Markenrecht an Turtle WoW Blizzard übergeben werden.
- alle Einnahmen offengelegt werden.
- eine Entschädigung an Blizzard gezahlt wird.
Damit gehen sie deutlich stärker gegen den Server vor als es etwa bei Nostalrius der Fall war. Damals gab es eine Unterlassungsaufforderung und der Server sollte einfach nur geschlossen werden. Andernfalls wäre es zu einer Klage gekommen, doch die Betreiber lenkten ein.
Alle Informationen rund um die Klage haben wir auch im Video zusammengefasst:
Doch warum kommt die Klage jetzt? Darüber wird spekuliert, aber im Kern gibt es wohl zwei Gründe.
Zum einen ist TurtleWoW in letzter Zeit zu aufmüpfig und bekannt geworden. Je länger so etwas dann geduldet wird, desto legitimer wird ein Server. Die Rede ist hier von über 500.000 registrierten Accounts und 40.000 aktiven Spielern.
Zum anderen arbeitet aber Blizzard selbst wohl an einer Art Classic+. Das wurde ja zum Ende der Season of Discovery angedeutet, und alle gehen davon aus, dass diese Version 2026 auf der BlizzCon angekündigt wird. Da stört TurtleWoW dann umso mehr.
Wie wird auf die Klage reagiert? Die Entwickler vom Privatserver geben sich gelassen. In einem Beitrag heißt es, dass TurtleWoW gekommen wäre, um zu bleiben. Zudem wird spekuliert, dass die Köpfe hinter dem Server bewusst in die Eskalation gegangen sind. Dafür sprechen die Beiträge in den sozialen Medien.
Dass hinter dem Server aber teilweise mafiaähnliche Strukturen stecken könnten, hat der YouTuber Chromie in einem Video erläutert. Bevor ihr euch also auf die Seite der Betreiber schlagt, solltet ihr euch die Hintergründe mal genauer anschauen:

2 Kommentare
Macht Sinn. Irgendwann, wenn es dem eigentlichen Entwicklerstudio nützt, werden Ressourcen aufgewendet, um diese Privatserver unschädlich zu machen. Bei einigen Privatservern kommt es nie dazu, weil der Aufwand für das Unternehmen zu hoch ist. Hier hat Blizzard aber nun eigene Interessen, weil sie kein (illegales) Konkurrenzprodukt wollen.
Warum wollte Turtle WoW provozieren? Wollen die Blizzard dazu bewegen, das ganze offiziell zu entwickeln, so wie damals Nostalrius? Also eine eigene neu gedachte Classic Time Line mit eigener Entwicklung a la TurtleWoW /Oldschool Runescape, ggf. mit verbesserter Grafik (UE5)
Ich weiß nicht, ob das wirklich das Ziel war. Für mich wirkt es eher so, also fühlten sie sich unantastbar.