Aion 2 feierte am 18. November seinen Release in Korea und Taiwan. Doch wie gut ist es wirklich? Ich habe bisher 25 Stunden gespielt, und unter anderem einen Gladiator auf das Max-Level gebracht. In dieser Review gehen wir primär auf das Kampfsystem, die Level-Erfahrung, das grundsätzliche Spielgefühl und die Monetarisierung ein.
Das Kampfsystem von Aion 2
Welches Kampfsystem nutzt Aion 2? Ganz grundsätzlich setzt es auf Tab-Targeting, allerdings in ein actionreiches Gewand verpackt und mit zwei verschiedenen Steuerungsmodi.
- Einmal der Aion 2-Modus, der standardmäßig aktiv ist und sich am ehesten mit den Kampfsystemen von Elyon, Blade & Soul und dem Action-Modus von Guild Wars 2 vergleichen lässt, wobei es durchaus Unterschiede zu jedem einzelnen davon gibt.
- Alternativ könnt ihr den Legacy-Mode wählen, der euch einen Auto-Attack erleubt und stärker an Aion 1 erinnert.
Euch stehen insgesamt 12 Tasten zur Verfügung, über die ihr Fähigkeiten auswählt. Manche davon enthalten aber Kettenangriffe, sodass ihr die Taste mehrfach hintereinander drücken könnt. Zudem gehören dazu zwei Slots, für die ihr eine bestimmte Voraussetzung erfüllen müsst, standardmäßig auf Q und E. Dort landen mehrere Fähigkeiten, die ihr immer dann nutzen könnt, wenn ihr etwa dem Gegner Knockdown, Knockup oder den Stagger-Effekt verpasst habt. Letzterer findet bei Bossen statt, wenn ihr genug CC genutzt habt, um die jeweilige Leiste zu brechen, ähnlich wie mit der Trotzig-Leiste in Guild Wars 2.
Dynamik entsteht zum einen daraus, dass ihr viele Fähigkeiten auch im Laufen und einige sogar ohne Target nutzen könnt. Zudem gibt es die Ausweichrolle, die ihr regelmäßig einsetzen müsst, und die Möglichkeit, euch selber aus dem Stun zu befreien. Das geht über die Leertaste, aktiviert dann aber einen Cooldown, also ihr könnt euch nicht jedes Mal befreien. Der Stunbreak muss also auch taktisch klug eingesetzt werden, gerade im PvP. Was die Animationen angeht, so sind diese sehr ordentlich, aber etwas abgehakter und nicht so flüssig wie in Guild Wars 2. Das ist nicht zwingend negativ gemeint, sondern es ist einfach ein anderes System. Was mich leicht stört, das ist die Auftakt-Animation der Ausweichbewegung. Dadurch findet die Aktion – gewollt – leicht verzögert statt. Daran muss man sich gewöhnen, und ich mag die Dynamik aus anderen Spielen da etwas lieber.
Die ganze Review gibt es auch als Video mit Gameplay dazu:
Während ich anfangs schon Spaß mit wenigen Fähigkeiten hatte, weil mir die Animationen und das dynamische Tab-Targeting gefielen, wurde dies mit zunehmenden Effekten und einer größeren Anzahl sogar noch besser. Man lernt, seine Combos besser einzusetzen, Feinde effektiver in den CC zu bringen und teilweise gar nicht mehr angreifen zu lassen. Zumindest mit dem Gladiator geht das ganz gut.
Jede Fähigkeit hat dabei 5 zusätzliche Spezialisierungen, von denen ihr bis zu 3 aktiv nutzen könnt. Diese sorgen für mehr Schaden, Lebensraub, Manarückgewinnung oder teilweise auch zusätzliche CC-Effekte. Durch das Verteilen von Skillpunkten levelt ihr sowohl die aktiven Fähigkeiten als auch die passiven, von denen euch insgesamt so rund 40 zur Verfügung stehen. Bei meinem Gladiator sind es ganz konkret 24 aktive Fähigkeiten.
Was steckt hinter den Daevanions? Zusätzliche Skillpunkte könnt ihr zudem über das Daevanion freischalten, eine Art Skill-Tree. Hier bekommt ihr über vier Bäume verschiedene zusätzliche Attribute, wie mehr Schaden, mehr Resistenz, mehr HP und Cooldownreduction, und könnt zudem Punkte für eure Fähigkeiten freischalten. Was euren Build insgesamt angeht, so habt ihr keinerlei Auswahlmöglichkeiten, welche Skills ihr ausrüstet. Ihr habt tatsächlich alle im Gepäck. Allerdings könnt ihr Skillpunkte verteilen, die zusätzlichen Spezialisierungen freischalten und auch da nochmal eine Auswahl treffen. Ein bisschen Variabilität ist also vorhanden.
Insgesamt würde ich dem Kampfsystem auf meiner persönlichen Skala eine 8,5 von 10 verpassen. Eine 10 wäre für mich Guild Wars 2 beim Tab-Targeting und New World beim Thema Action-Combat, nur damit ihr wisst, was meine Vorlieben sind. Eigentlich müsste ich aber noch Punkte abziehen, was das Thema Templates angeht. Denn was fehlt sind Möglichkeiten, um Builds zu speichern. Das wäre wichtig, gerade für den Wechsel zwischen Singletarget und AoE, oder PvE und PvP.
Die Level-Phase
Wie läuft das Leveln ab? Was den Level-Prozess angeht, so sammelt ihr eure Erfahrungspunkte hauptsächlich über die Main-Quests, die euch auch die Geschichte erzählen. Es gibt zwar regionale Quests, die Sealed-Dungeons und das Crafting, was euch alles XP verleiht, allerdings meist im Bereich von 0,05 bis maximal 5 % eurer benötigten Erfahrungspunkte bis zum nächsten Level.
Die Hauptgeschichte hingegen gibt gerne mal 30 bis 60 %. Zudem gibt es noch eine Fortschrittsleiste unterhalb der Minimap, die euch anzeigt, wie weit ihr mit der aktuellen Episode gerade seid. Ihr seid auch nur an ganz wenigen Stellen in der Geschichte leicht unterlevelt und könnt das mit ein bisschen Skill ausgleichen.
Wie lange braucht man bis zum Max-Level? Der Level-Prozess insgesamt dürfte euch so rund 6 bis 10 Spielstunden beschäftigen, je nachdem, wie gezielt ihr levelt, die Story und Cutscenes verfolgt und so weiter. Im Laufe der Geschichte sollt ihr zudem drei Dungeons mit anderen Spielern betreten, darunter den Fire Temple, auf den sich viele Aion-Veteranen schon gefreut haben.
Wie viel Spaß macht das Leveln? Was bei den Mainquests auffällt, das ist der ziemlich repetitive Aufbau. Meist sprecht ihr mit NPCs, sollt dann einen Ort aufsuchen, dort Gegner verprügeln, eine Truhe öffnen und am Ende wartet ein Bosskampf. Diese Bosskämpfe sind teilweise schon am Anfang recht zäh und verlangen von euch, dass ihr ausweicht und euch konzentriert. Es gab mehrmals Bosse, an denen ich sogar das ein oder andere Mal gestorben bin, gerade der Modifed Bargott wird mir hier in Erinnerung bleiben.
Einerseits finde ich es sehr schön, dass man schon früh gefordert wird, ausweichen muss und genau auf die Fähigkeiten und Patterns der Bosse achten muss. Andererseits waren einige Kämpfe auch einfach sehr zäh und dauerten lange an, und wenn ich dann in den letzten Prozent gewiped bin, war ich schon etwas genervt. Je mehr ich jedoch das Kampfsystem verstanden habe, desto mehr Spaß haben mir die Kämpfe auch gemacht.
Zusammenfassend ist der Level-Prozess nicht sonderlich abwechslungsreich, die Quests nichts kreativ, manche Bosse zäh und man kann leider nicht wirklich von dem festen Pfad der Geschichte abweichen. In GW2 oder ESO kann ich ja theoretisch überall in der Welt leveln und unterschiedliche Geschichtsstränge erleben, was in Aion 2 nicht so ganz funktioniert. Einzig die Tatsache, dass Elyos und Asmodier eine komplett getrennte Story haben, sorgt zumindest für ein bisschen Wiederspielwert. Insgesamt würde ich hier zu einer 5 von 10 tendieren, was die Level-Erfahrung angeht.
Die offene Spielwelt
Was die offene Welt angeht, so bin ich hier vor allem von der Optik sehr angetan. Ich finde das Farbenspiel sehr gelungen, gerade das Rot, Gelb, Grün kombiniert mit den blauen Linien zum Gleiten. Etwas schade ist jedoch, dass nur sehr wenig mit unterschiedlichen Biomen, etwa Wald, Wüste oder Eislandschaft, gespielt wird. Es ist fast immer eine Art Canyon, durch den man sich bewegt, selten mal aufgelockert durch bunte Wälder.
Inhaltlich gibt es viele Nebenquests zu tun, die sich auch lohnen, weil man darüber Ausrüstung und Kinah bekommt. Und Kinah braucht man haufenweise, wobei wir darauf später nochmal eingehen. Zudem gibt es überall in der Welt versteckte Solo-Dungeons, die Strongholds, Crafting-Materialien zum Sammeln und natürlich Gegner zum Besiegen. Und jeden Gegnertypen in der Spielwelt könnt ihr zähmen und in ein Reittier verwandeln. Das ist richtig cool.
Allerdings ist die Spielwelt insgesamt eher klein. Der gesamte Level-Prozess findet auf einer Karte statt, die etwa 4 Gebieten von Guild Wars 2 entspricht. Das gibt es dann zweimal, einmal Eloys, einmal Asmodier, und dann gibt es noch den Abyss als Map. Wer möchte, kann übrigens über Rifts wieder in die jeweilige Welt der anderen Fraktion eindringen und PvP machen. Hier kann man allerdings nur Spieler angreifen, die maximal 5 Level unter einem stehen.
Wer aber insgesamt gerne erkundet und viel Abwechslung erleben möchte, kommt hier nicht so stark auf seine Kosten, wie in manch westlichen MMORPGs. Dafür überzeugen Optik, die Reittier-Mechanik und die verschiedenen kleinen Dungeons und Strongholds. Deshalb gebe ich der offenen Welt trotzdem nur eine 5,5 von 10 – das geht heutzutage deutlich besser.
Die Spielinhalte
Was gibt es für die Spieler allgemein nun zu tun? Wir haben schon über die Dungeons gesprochen, die hier Expeditionen heißen. Man geht sie zu viert an und es gibt 6 Stück im Erkundungsmodus und später auf dem Max-Level auch noch im Conqeust-Mode. Hier werden teilweise bestimmte Gearscores als Voraussetzung genommen, damit man sich für diese anmelden kann. Im Low-Level-Bereich geht das ohne große Organisation oder Aufteilung in Heiler und Tank. Wie es dann ganz im Endgame aussieht, kann ich noch nicht sagen.
Wie sehen die Dungeons aus? Weiterhin gibt es im PvE die Daily Dungeons, ein Solo-Player-Inhalt, in dem ihr gegen Wellen von Gegnern bestehen müsst, Nightmare-Dungeons, ein Solo-Bosskampf, den Ascension Trial als weiteren Solo-Dungeon, wobei hier euer Loot besser wird, je schneller ihr die Feinde besiegt.
Für Gruppen gibt es noch Transcendens für 2 bis 4 Spieler, wobei euch hier verschiedene Schwierigkeitsgrade und Affixe wie in mythic+ erwarteb, die Raids für 4 Spieler und das Sanctuary als Instanz für 8 Spieler. Bisher habe ich nur normale Expeditionen, einen schweren Modus der Expeditionen und den ersten Dungeon Dayli-Dungeon als Solo-Content geschafft. Für einige Dinge fehlte mir einfach der Gearscore.
Insgesamt gibt es aber allerhand zu tun, aber immer mit Begrenzungen. Ihr könnt zwar endlos Expeditionen laufen, doch bekommt ihr nur eine gewisse Menge Loot pro Tag, gebunden an eure Odd Energy. Für andere Inhalte braucht ihr Tickets, die ihr euch craften oder kaufen könnt. Auch das Abo spielt hier eine Rolle, doch darauf gehen wir im Punkt Monetarisierung ein. Insgesamt würde ich aber sagen, hat man dadurch, dass man Odd Energy und die Tickets auch über das normale Spielen bekommt und sich Odd Energy künftig zudem noch über das Crafting verdienen können soll, als normaler Spieler genug zu tun. Ausrüstung könnt ihr euch zudem aus Quests in der offenen Welt, dem Abyss und den Minispielen verdienen.
Was steckt hinter den Shugo-Games? Diese Minispiele sind abwechslungsreich und nett gemacht, hier gibt es Flugrennen, Jumping Puzzle, Merkspiele und vieles mehr. Das Nervige ist nur: Es stehen immer nur 4 gleichzeitig zur Verfügung und das wahlweise zur Stunde XX Minute 15 oder XX Minute 45 – und das immer nur für 3 Minuten. Wer das Zeitfenster verpasst, muss dann erstmal wieder knapp 30 Minuten warten.
Was gibt es für PvPler? Für PvPler gibt es Arenen im 1v1 und 4v4, Battlegrounds im 8v8, die Rift Battles in der offenen Welt und die Rückkehr von The Abyss, einem PvEvP-Modus, der in Aion sehr beliebt war. Ich habe zwar einen Battleground und eine Runde Arena gespielt, kann hierzu aber nicht so viel sagen. Alles rund um das PvP haben wir auch in einer Übersicht zusammengefasst.
Positiv finde ich grundsätzlich die eins-gegen-eins-Arena, weil es die viel zu selten in MMORPGs gibt, obwohl mir das viel Spaß macht. Das Problem ist nur, dass die Balance wohl nicht so ganz stimmen soll. Alle Klassen mit Selfheal, also vor allem die beiden Heiler und der Templer, scheinen derzeit zu stark zu sein und spielen quasi in ihrer eigenen Liga. Da muss in puncto Balance nachgelegt werden.
Was den Abyss angeht, so gibt es hier derzeit Kritik, dass man die Abysspunkte teilweise sogar schneller im PvE als im PvP bekommt, was etwas kurios ist. Dort wurde inzwischen aber ein tägliches Limit eingeführt.
Was den Umfang von Aion 2 insgesamt angeht, vergebe ich erstmal eine vorsichtige 7,5 von 10. Es sieht nach viel aus, die Frage ist, wie lange man wirklich mit allem beschäftigt ist.
Der Geargrind
Schauen wir nun rüber in die Themen Ausrüstung, Crafting und generell den Geargrind. Grundsätzlich bekommt man in Aion 2 im Levelprozess und auch danach relativ schnell neue Items. Man sollte also nicht zu viel Kinah in die Aufwertungen zwischendurch stecken, weil sie ohnehin nach 30 Minuten wieder ersetzt wird. Ausrüstung bekommt ihr aus verschiedensten Inhalten und es gibt eine Trennung zwischen PvE und PvP, zumindest in der Hinsicht, dass es spezielle PvE- und PvP-Stats gibt. Auch die Balance in den Fähigkeiten unterscheidet sich übrigens teilweise in den beiden Modi.
Jede Ausrüstung kann um bis zu 15 Stufen aufgewertet. Bis Stufe +10 ist diese Aufwertung garantiert, während ihr später eine immer geringere Chance auf die Aufwertung habt. Wichtig ist jedoch, dass bei einem Fehlschlag das Item nicht zerstört oder heruntergestuft wird. Ihr braucht nur einen weiteren Versuch.
Ausrüstung kann zudem über Manastones zusätzliche, wenn auch zufällige Effekte bekommen, ihr könnt Theostones in eure Waffen packen und sie fungieren ein wenig wie die Godstones aus dem ersten Teil, und ihr könnt Soul Binding betreiben. Darüber könnt ihr zufällige Substats bekommen. Viele Systeme erinnern dabei an Aion 1 und insgesamt habt ihr viel Einfluss darauf, wie sich eure Ausrüstung entwickelt. Wichtig ist, dass ihr neben der Ausrüstungsstufe auch eure Combat Power (CP) erhöht.
Die beste Ausrüstung könnt ihr jedoch über das Crafting bekommen. Das ist recht simpel aufgebaut. Ihr findet überall Materialien, könnt diese sammeln, und es taucht das typische Sammel- und Fail-Interface auf, das man schon aus Aion 1 kennt. Für das Abbauen benötigt ihr keinerlei Voraussetzungen. Ihr levelt allerdings einen Sammelskill nach oben, der etwa eure Chancen oder die Menge an Loot erhöht. Das Crafting selbst ist ähnlich simpel. Ihr benötigt die rohen Materialien und dazu noch Items von Händlern, die zu dem jeweiligen Beruf passen. Daraus stellt ihr euch etwas Orichalcumbarren her.
Danach könnt ihr als Schmied dann Waffen bauen, die nochmal zusätzliche Materialien benötigen. Im Endgame ist das eine ganze Menge, wie ihr dem Video im Hintergrund entnehmen könnt. Das ist vor allem ein großer Grind und wer daran Spaß hat, wird in Aion 2 auf jeden Fall auf seine Kosten kommen. Schön ist, dass ihr sofort nachschauen könnt, woher die Items kommen, was ein großes Quality-of-Life-Feature ist..
Insgesamt finde ich es positiv, dass Crafting eine so wichtige Rolle einnimmt, dass man die Items direkt aus der Bank für die Herstellung nutzen kann, und ich finde es ebenfalls gut, dass die Ausrüstung beim Aufwerten nicht kaputtgeht. Was mir fehlt, ist eine Option, den bisherigen Aufwertungsfortschritt eurer Ausrüstung auf die neue mitzunehmen. Man bekommt zwar beim Zerlegen mehr von den genutzten Materialien zurück, aber nichts von dem Kinah. Mit einer Anpassung würde sich das Aufwerten im Level- und Farmprozess mehr lohnen, aktuell halte ich mich da immer etwas zurück.
Insgesamt wirkt der Grind sehr hoch, was man positiv und negativ sehen kann. Positiv ist aber in jedem Fall die Visual Progression, denn schon vom Start weg bekommt man immer hübschere Rüstung und kann zudem jedes Teil einzeln ausblenden. Das Ausrüstungssystem bekommt deshalb insgesamt eine 7 von 10, auch, weil es mehr Abwechslung beim Crafting geben könnte.
Kleine positive und negative Aspekte
Kommen wir im nächsten Schritt zu allgemeinen positiven und negativen Aspekten. Und vielleicht dem größten Problempunkt: dem Interface. Und damit meine ich nicht nur das, was man die ganze Zeit beim Spielen sieht, sondern vor allem die Menüs und das Inventar. Das Inventar ist viel zu klein und wird mit Dutzenden Materialien und sogar der Währung Qina selbst zugemüllt. Ich habe ständig Probleme, neue Items zu sammeln, und dann kann ich das Inventar nicht mal sortieren. Ihr könnt einfach nichts verschieben, weil das Spiel euch das Ziehen von Items verbietet.
Dann ist es umständlich, Dinge in die Bank zu packen, weil ihr erst das Item und danach die Anzahl anklicken müsst. Es gibt keinerlei Shortcuts zum Lagern aller Items und auch keine Shortcuts, um Items zu zerlegen oder zu zerstören. Hier merkt man das erste und – wie ich finde – einzige Mal, dass Aion 2 auch eine Mobile-Version hat. Auch das automatische Aktivieren von Schriftrollen passiert durch das Hoch- oder Runterziehen, was sich irgendwie nach Smartphone anfühlt. Zumindest haben die Entwickler hier aber bereits eine Nachbesserung versprochen.
Negativ fand ich auch insgesamt die etwas zu langen Laufwege, die ruckelnden Cutscenes und die schlechte Performance in persönlichen Instanzen. Die beiden letzten Punkte wirken vor allem deshalb so komisch, weil die offene Welt viel besser läuft, diese aber ja eigentlich mehr Ressourcen beanspruchen sollte. Zudem ist es kurios, dass in einer Gilde nur Platz für 40 Spieler ist. Das finde ich arg wenig, gerade für größere PvP-Inhalte.
Auf der positiven Seite stehen aber auch ein paar Dinge, darunter das schon angesprochene Mount-System, das Fliegen allgemein, das sich Mobs in der offenen Welt geteilt werden , etwa für den Quest-Fortschritt und die Drops, auch wenn man nicht in einer Gruppe ist. Und die Tatsache, dass man alle Belohnungen aus Achievements mit einem Knopfdruck abholen kann und sich nicht durch verschiedene Unterpunkte navigieren muss.
Zudem verzichtet Aion 2 auf aufdringliche Werbung, etwa für den Shop. Hier blinkt nichts, was für ein koreanisches Spiel nicht selbstverständlich ist. Positiv sehe ich auch die fast nicht vorhandenen Bugs im Spiel. Es wirkt insgesamt sehr poliert.
Die Monetarisierung
Doch ein großer Elefant steht noch im Raum. Das Thema Kinah. Kinah ist die Ingame-Währung und wird für viele Dinge benötigt, darunter die Aufwertung der Ausrüstung, das Crafting, Tränke und Schriftrollen, das Zurücksetzen von Skillpunkten, Inventarerweiterungen und und und. Doch für mein Gefühl bekommt man zu wenig Kinah im Spiel selbst und das macht plötzlich den Währungsumtausch von Quna, der Echtgeldwährung, zu Kinah sehr interessant.
Ja, den gibt es in GW2, WoW und Co auch, aber in diesen Spielen nimmt Gold nicht so eine zentrale Rolle ein, weil man wahlweise sofort das beste Gear bekommt wie in GW2 oder aber starkes Gear charaktergebunden ist wie bei WoW. In Aion 2 jedoch könnt ihr das beste Gear selber per Crafting herstellen oder im Auktionshaus kaufen bzw. verkaufen. Und das macht es so einfach, kurz die Kreditkarte zu zücken und sich viel Qina einzukaufen.
Ich bin ehrlich: Von meiner jetzigen Position kann ich noch nicht zu 100 % abschätzen, wie stark der Umtausch am Ende ist, aber nach meinem ersten Eindruck und nach dem, was ich gehört habe, könnte das ein echtes Problem sein.
Was die sonstigen Abos und Shop-Inhalte angeht, bin ich etwas entspannter. Der Shop ist extrem fair und bietet nur Kostüme, Skins und Lager- oder Charakterplätze. Ein Abo für 12 Euro im Monat, welches Zugriff auf das Auktionshaus, den Handel und Bank- und Händlerzugriff von überall gibt, ist ein faires und nettes Modell. Dass das zweite Abo, welches nochmal rund 17 Euro kostet, mehr Zeit im Abyss und mehr Odd-Energy bringt, kann durchaus kritisiert werden. So könnt ihr dann 14 statt 7 Stunden Abyss pro Woche spielen. Allerdings könnt ihr euch weitere 12 Stunden Spielzeit pro Woche im Abyss und auch weitere Odd-Energy für Ingamewährung kaufen.
Ich persönlich werde niemals mehr als 19 Stunden pro Woche Abyss spielen und zudem noch jeden Tag das tägliche Cap der Dungeons sprengen. Das Abo lohnt sich also nicht für mich. Wenn ihr das schafft, dann ist es definitiv ein kleiner Vorteil für euch. Ich verstehe am Ende aber auch jeden, der das kritisiert.
Was die Battlepässe angeht, so gibt es auch hier nochmal mehr Spielzeit für den Abyss oder die Dungeons. Diese befinden sich im kostenlosen Pass, aber auch im kostenpflichtigen. Den kostenpflichtigen bekommt ihr für Quna, die Echtgeldwährung. Allerdings lassen sich Qina und Quna, sofern ihr das erste Abo besitzt, auch gegeneinander austauschen. Bedeutet: Ihr könnt euch die Pässe auch für Ingame-Währung kaufen.
Am Ende ist die Monetarisierung von Aion 2 durchaus heftig, aber sie muss so nicht in den Westen kommen. Deswegen ist es gut, dass mit NCSoft diskutiert wird, aber deswegen würde ich einen Erfolg des MMORPGs im Westen jetzt nicht direkt ausschließen. Denn bis zum Release in der zweiten Hälfte 2026 ist noch einiges an Zeit.
Mein Fazit
Doch was ist nun mein Fazit nach 25 Stunden? Ich habe Spaß! Spaß am Kampfsystem, an den Dungeons, am Grind nach neuem Gear und an den Minispielen. Ich habe so viel Spaß, dass ich mir sogar das erste Abo gekauft habe, um in der taiwanesischen Version handeln zu können. In den nächsten Wochen werde ich Aion 2 also noch ordentlich weiterspielen.
Es ist dabei bei Weitem nicht alles perfekt. Die offene Welt könnte besser designt sein, mehr Tiefe im Crafting wäre möglich, das Inventar und das Interface müssen dringend angepackt werden, die Abyss-Punkte sind noch nicht ideal umgesetzt und die Quest-Erfahrung ist auch eher mittelmäßig. Mich entschädigen hier aber vor allem das Combat-System, die schicke Grafik und generell das positive Spielgefühl. Und viel erinnert eben an Aion 1, was auch ein bisschen Nostalgie bei mir auslöst.
Was die Monetarisierung angeht, so habe ich nicht mal ein großes Problem mit den beiden Abos. Es ist hier tatsächlich der Währungsumtausch, der mir Bauchschmerzen bereitet. Fürs PvE dürfte das nicht allzu dramatisch sein, im PvP kann man sich aber so sehr schnell die beste Ausrüstung, häufigere Rerolls bei den Manastones und Co. holen, was einem einen riesigen Stat-Boost verschafft, den Spieler mit normalem Grind wahrscheinlich erst nach Monaten oder Jahren erreichen.
Insgesamt gebe ich Aion aktuell eine 6,5 von 10. Für mich ist es besser als Throne and Liberty, besser als Elyon und besser als viele andere MMORPGs, die aus Korea in den vergangenen 10 Jahren zu uns kamen. Im aktuellen Zustand wäre es bei uns wohl trotzdem kein dauerhafter Erfolg. Aber er könnte es werden.
Viel hängt aber nicht nur von der Monetarisierung, sondern vor allem von kommenden Updates ab. Wann kommen die Fixes für UI und Co.?Wie viel Content wird nachgelegt? Passen sie die Balance im PvP und bei den Währungen an? Potential ist vorhanden, aber es ist noch ein ganzes Stück weg von perfekt.
Was sagt ihr bisher zu Aion 2 und zu den hier aufgezählten Punkten? Weicht eure Meinung an der ein oder anderen Stelle ab? Und freut ihr euch jetzt mehr oder weniger auf den westlichen Release? Schreibt es gerne in die Kommentare!
