Stars Reach ist das neue Weltraum-MMORPG von Raph Koster, das am 18. August im Early Access auf Steam veröffentlicht wurde. Bisher kommt es dort aber nur auf ausgeglichene Rezensionen. Ich habe mir die Reviews angeschaut und selbst zwei Stunden reingespielt und möchte euch einen groben Überblick über den aktuellen Stand des Spiels geben.
Was ist Stars Reach? Wir sprechen hier über ein SciFi-Sandbox-MMORPG, das in den Grundzügen an das alte „Star Wars Galaxies“ erinnert, was keine so große Überraschung ist, immerhin hat Raph Koster damals daran mitgearbeitet. Im Fokus stehen also Freiheit, riesige Welten, Crafting und Erkundung. Wer nach einem typischen Themepark-Spiel mit Story-Fokus sucht, ist schon mal an der falschen Adresse.
Stattdessen geht es darum, verschiedene Planeten zu bereisen, Terraforming zu betreiben, Materialien zu sammeln, ein Haus zu bauen oder einen der aktuell 19 verschiedenen Berufe zu leveln. Diese drehen sich teilweise um das Kämpfen, darunter Skill-Trees zu Pistolen oder dem Granatenwerfer, um Crafting, wie beim Koch und Schneider, aber auch um eher ungewöhnliche Dinge wie Leadership, Business oder Ranger. Letzterer kümmert sich etwa darum, die Karte aufzudecken oder Camps zu errichten.
All eure Abenteuer finden in einer offenen Spielwelt statt, wobei diese zwischen dem Weltraum, durch den ihr schweben könnt, und einzelne Planeten unterscheidet. Die Planeten könnt ihr durch Portale im Weltraum betreten. Auf diesen Planeten habt ihr dann viele Freiheiten. Ihr könnt ihn durch das Bauen und Terraforming nach euren Wünschen gestalten, wobei die Umwelt darauf reagiert.
- Wenn ihr durch einen reißenden Fluss lauft, dann werdet ihr mitgezogen.
- Wenn ihr den Wald abholzt, stehlt ihr den Tieren ihre Lebensgrundlage und sie ziehen sich woanders hin zurück.
- Gibt es keine Rückzugsmöglichkeiten, sterben sie mitunter sogar aus.
Ein wichtiger Aspekt sind dabei die MMO-Elemente, denn ihr sollt mit anderen Spielern zusammenarbeiten, Handel treiben und Quests lösen.
Wie immer könnt ihr euch die Infos auch mit Gameplay in einem Video anhören:
Was kostet der Early Access? Für den einfachen Zugang zahlt ihr aktuell 30,50 Euro. Wer noch besondere Cosmetics oder Titel haben möchte, hat zwei weitere Pakete für 51 und 81,40 Euro zur Auswahl.
Hakelige Bewegungen und ein sehr einfaches Kampfsystem
Wie ist der Einstieg in das Spiel? Bei der Charaktererstellung habt ihr die Wahl aus vier verschiedenen Völkern, die sich abseits der bärenartigen Skywatch aber relativ ähnlich sehen. Der Charaktereditor ist sehr detailliert, allerdings hab ich beim Versuch, einen schönen Charakter zu bauen, oft nur sehr hässliche Gestalten kreiert. Man hat hier also viele Freiheiten, wobei mich insgesamt die Optik der Charaktere einfach nicht so anspricht. Eine Klasse müsst ihr nicht wählen, denn ihr lernt alle Skills dadurch, dass ihr sie aktiv nutzt.
Welche Skills gibt es? Insgesamt habt ihr die Wahl aus 19 Stück:
- Botany
- Business
- Combat
- Assaultrifle
- Grenadelauncher
- Pistol
- Sniper
- Crafting
- Constructing
- Cooking
- Engineering
- Tailoring
- Humanities
- Leadership
- Medical
- Mineralogist
- Ranger
- Vehicel
- Xenobiologist
Wobei man hier direkt einschränkend sagen muss, dass die Skilltrees noch sehr unfertig sind. Der Ranger-Tree ist zu 80 % noch Work in Progress, Leadership und Vehikel stehen noch gar nicht zur Verfügung und irgendwie war anfangs auch die Rede von 40 Disziplinen, da hat man schon ein bisschen nach unten korrigieren müssen.

Was bietet die Spielwelt? In der Spielwelt angekommen, seid ihr erstmal auf einer Tutorial-Insel unterwegs. Dort lernt ihr die Basics, also das Kämpfen oder Abbauen von Materialien. Hier ist wichtig, dass alle eingesetzten Werkzeuge und Waffen überhitzen können, weswegen ihr sie mit Bedacht verwenden müsst. Die Insel an sich ist nett gemacht und man versteht alles auch relativ gut, nur hatte ich von Anfang an Probleme mit dem Movement.
Der Charakter bewegt sich ruckelig und springt manchmal wieder zurück an Orte, von denen ich mich eigentlich schon entfernt hatte. Rubberbanding nennt man das auch. Das kann jedoch nicht an überlasteten Servern gelegen haben, denn auf der Insel waren nur drei oder vier andere Spieler und insgesamt befanden sich auch nur 88 Personen am Montagmorgen gleichzeitig online. Hier spürt man also noch technische Probleme, die man vor allem dann merkt, wenn man Berge hinaufklettern möchte.
Wie ist das Kampfsystem? Das Kampfsystem ist in Stars Reach sehr einfach gehalten. Ihr habt eine Waffe, die ihr nutzen könnt, sowie zwei dazugehörige Skills und passive Effekte, die ihr über den Skilltree lernt. Ihr visiert Feinde aktiv an, es ist also kein Tab-Targeting, allerdings ist dieses Anvisieren tricky, weil ich oft das Gefühl habe, dass entweder die Waffe oder die Hitbox der Feinde nicht sehr präzise ist.
Der Spaßfaktor, sowohl beim Bewegen als auch beim Kämpfen, hält sich in den ersten zwei Spielstunden in Grenzen. Und leider muss man sich ziemlich viel bewegen, denn nachdem man das Tutorial verlassen hat, nimmt man erst einmal generische Missionen von einem Board an, die einen zu weit entfernten Planeten und dort nochmal zu bestimmten Orten führen. Da ist man echt lange unterwegs.
Rezensionen sind nur ausgeglichen
Was sind die größten Kritikpunkte? Neben den Bewegungen, dem Kampfsystem und der Grafik, die echt viel Gegenwind bekommt, wird auch der technische Zustand kritisiert. Zu Beginn hatten die Server mächtig Probleme und es kam zu Abstürzen. Das hat sich inzwischen gefangen. Trotzdem gibt es immer noch haufenweise Bugs.
Ein weiterer großer Punkt ist dann der Umfang. Viele Inhalte wirken noch unfertig und nicht komplett zu Ende gedacht. Es fehlt auch noch ein übergreifender Endgame-Loop, also ein großes Ziel, auf das man neben dem Aufleveln von Skills hinarbeitet.
Was wird in den Reviews gelobt? Die positiven Reviews sagen vor allem eins: Man kann einfach ganz besondere Momente erleben. Ein Nutzer berichtet beispielsweise davon, wie cool es ist, dass die realistische Physik wirklich funktioniert. Das, wenn man eine Höhle gräbt, der Sand nachrieselt, bis man fast verschüttet wird. Ein anderer erzählt von den Abenteuern aus der Alpha, als eine Gruppe von Spielern versucht hat, alle Tiere auszurotten, während eine andere mehrere einer Spezies gerettet hat, damit diese Nachkommen woanders zeugen können. Das sind schöne Geschichten und Dinge, die man in einer riesigen Sandbox erleben kann.
Andere berichten von dem spaßigen Grind, den sie beim Versuch hatten, alle Skills auf das Max-Level zu bringen. Einige vergleichen es mit No Man’s Sky, einer sagt aber, dass Stars Reach schon jetzt deutlich tiefer gehen soll als der Titel von Hello Games. Es gibt also durchaus einige Fans, die das MMORPG mögen.
Wie fallen die Reviews und Spielerzahlen aus? Insgesamt steht das Spiel aber nur bei 51 % positiven Bewertungen und viel schlimmer, im Peak haben am Sonntag gerade mal 314 Leute gleichzeitig das MMORPG gespielt. Zum Start im Early Access waren es übrigens auch nur knapp 700. Das ist nicht wirklich viel.
Ein noch sehr unfertiges, aber nicht unspaßiges Sandbox-Spiel
Mein Fazit: Ich fand meine zwei Stunden in Stars Reach unterhaltsam, ja sogar besser, als ich nach all der Kritik, die ich im Vorfeld gehört habe, gedacht hätte. Ich habe noch ein paar extra Runden auf neuen Planeten gedreht, mir mein Housing-Kit geholt und mich alleine von einem Weltboss verprügeln lassen.
Ein bisschen hab ich mich gefühlt wie zum Release von No Man’s Sky. Auch da war ja einiges unfertig und lief nicht so, wie versprochen. Hello Games hat damals das große Comeback geschafft. Für Stars Reach hab ich etwas weniger Zuversicht und das liegt einfach daran, dass MMORPGs in allem teurer sind und sich Stars Reach jetzt eben nicht massiv gut verkauft haben wird.
Ich würde es dem Team gönnen, auch weil das Genre eigentlich seit Jahren kein gutes SciFi-Sandbox-Spiel mehr hatte. Stand jetzt würde ich den Kauf aber auch nicht empfehlen, weil es eben doch mehr eine Alpha als ein klassischer Early Access-Titel ist. Wobei, Early Access ja inzwischen auch sehr weit gefasst wird.
Wie seht ihr Stars Reach? Spricht euch das MMORPG an oder seid ihr skeptisch? Schreibt es gerne in die Kommentare und schaut euch gerne auch unsere Liste mit den aktuell 70 MMORPGs in Entwicklung an, da sind einige spannende neue Spiele dabei.

