Stranger Than Heaven ist ein Gangster-Epos aus dem Hause Sega. Auf der Gamescom durften wir bereits gute 30 Minuten mit dem Spiel verbringen und dabei hauptsächlich das Kampfsystem auf Herz und Nieren testen. Und genau das könnte das große Highlight von Stranger Than Heaven sein, wäre da nicht eine Sache, die ordentlich nervt.
Was ist Stranger Than Heaven? Das Spiel lässt euch ein wahres Gangster-Epos durchleben. Und das durch buchstäblich ein ganzes Leben. Denn euren Hauptcharakter begleitet ihr durch 5 gesamte Jahrzehnte, während ihr der Story im Single-Player folgt.
Dabei führt euch die Geschichte von einem jungen Mann, der einfach nur Anschluss und eine Familie sucht, zu einem beinharten Mafia-Boss, der seine eigene Gang gründet und ganze Städte in seine Kontrolle bringt. Die Story ist dann in insgesamt 5 Abschnitte aufgeteilt und spielt in 5 verschiedenen, asiatischen Städten zwischen 1916 und 1966.
Ein Highlight soll dabei das Kampfsystem sein. Das setzt stark auf Nahkampf mit Fäusten, Waffen und brutalen Finishern. Für den perfekten Flow steuert ihr beide Hände eures Charakters einzeln. Auf dem Controller ist also die linke Angriffstaste ein linker Haken, die rechte ein rechter.
Dazu kommt dann noch die Unterscheidung zwischen leichten und schweren Angriffen, blocken und ausweichen. Außerdem könnt ihr eure Schläge allesamt auch aufladen, damit sie mehr Schaden anrichten. Auch beim Blocken müsst ihr die richtige Hand heben, um die auf einen einprasselnden Schläge zu parieren und geschickt zu kontern.
Neben dem Kampfsystem sind der Artstyle und die Atmosphäre definitiv ein Höhepunkt des Spiels. Die zieht einen sofort in die Welt eines klassischen Gangsterfilms aus den 50er-Jahren.
Einen ersten Trailer für das Spiel seht ihr hier:
Das Kampfsystem hat leider nicht nur rechte und linke Haken
Was haben wir gespielt? Auf der gamescom konnten wir rund 30 Minuten in das Kampfsystem von Stranger Than Heaven reinschauen. Wohlbemerkt aber auch nur in das. In der vorliegenden Demo gab es drei Kampfszenarien in drei der insgesamt fünf verschiedenen Epochen und Städte.
Dabei durften wir einmal mit bloßen Fäusten, einmal mit Brechstange und zu guter Letzt mit dem Messer kämpfen. Die Schwierigkeitsgrade waren aufsteigend und das nicht zu wenig.
Während der erste Kampf noch direkt beim ersten Versuch geklappt hat, sah das bei den verbleibenden zwei anders aus. Doch vorher erstmal das Positive: Die Kämpfe sehen brachial gut aus, machen richtig Spaß und das System, beide Arme einzeln zu steuern, verleitet schnell dazu, coole Kombos auszuprobieren und meine Gegner, auch mit Hilfe der Umgebung, gnadenlos umzuboxen.
Wie hat sich das Kämpfen angefühlt? Der erste Kampf war ein Duell mit bloßen Fäusten gegen eine größere Anzahl von normalen, schwächeren Gegnern. Das hat sich unglaublich befriedigend angefühlt und gezeigt, wozu das an sich grandiose Kampfsystem von Stranger Than Heaven in der Lage ist.
Auch die Einbindung der Umgebung funktioniert perfekt. Der Kampf fand auf einem Marktplatz statt. Stand ich in der Nähe eines Objektes wie einer Kiste oder einem Stand, hat das System automatisch darauf reagiert und meine Gegner gerne direkt mit dem Gesicht in die harten Hindernisse befördert. Das fühlte sich schlichtweg brutal gut an.
Im zweiten Kampf ging es bewaffnet gegen einige kleine und einen großen Gegner. Während sich das grundsätzlich immer noch sehr gut angefühlt hat, zwingt einen das Kampfsystem hier allerdings regelrecht dazu, die Blocken-Funktion zu nutzen. Mit Ausweichen kam man hier nicht mehr sehr weit, dafür waren die Animationen zu langsam und die Hitboxen zu unsauber.
Was wir genau gespielt haben, könnt ihr euch übrigens hier anschauen:
Was ist der Haken? Das große Problem des Kampfsystems zeigte sich dann aber im dritten Kampf. Dort ging es im Eins gegen Eins gegen einen Samurai mit Katana, uns selbst blieb nur ein Messer zur Verteidigung. Der Samurai war flink und bot kaum Möglichkeiten, sich zu wehren.
Nach einigen Toden wurde klar, dass das Kämpfen an sich nicht zu langsam ist, sondern die enormen Animation-Locks. Also das Phänomen, dass man in der Animation eines Angriffs feststeckt und sich weder wehren noch bewegen kann. Hier muss Sega dringend nochmal ran.
Besonders nervig ist uns vor allem eine bestimmte Situation im Kampf aufgefallen. Erwischt man den mit Katana bewaffneten Gegner mehrfach hintereinander, so geht er auf die Knie und ist kurz betäubt. Eine klassische Animation, die dazu einlädt, ohne größere Sorgen gut Schaden austeilen zu können.
Der Animation-Lock für den letzten Schlag, der den Gegner zu Boden schickt, ist allerdings so lang, dass der Samurai schon wieder aufsteht, bis wir überhaupt dazu kommen, anzugreifen. Das ist gleich mehrfach passiert und hat schnell für großen Frust gesorgt.
Ich bin mir sicher, mit mehr Übung und mehr Zeit als 30 Minuten, lässt sich das Kampfsystem besser beherrschen und solche Situationen vielleicht auch umgehen, doch für den ersten spielbaren Eindruck von Stranger Than Heaven war das leider wirklich keine Glanzleistung.
Mehr von der Gamescom:
Fazit
Stranger Than Heaven besticht mit seiner Optik, einer fesselnden Story und dem Charme, eines alten Gangsterfilms. Dazu kommen fantastisch inszenierte Orte und Kämpfe, sowie drastische Gewalt in einem Kampfsystem, das von Grund auf Spaß macht und mit der einzelnen Kontrolle beider Arme etwas Ungewohntes und Neues bietet.
Fragezeichen haben wir aktuell noch bei der Erkundung der Welt, da wir nur Kämpfe sehen konnten. Allerdings luden bereits diese kurzen, schlauchigen Areale von der Optik her zum Erkunden ein. Auch, einen Charakter durch 50 Jahre hindurch zu begleiten und zu sehen, wie er und die Welt um sich herum sich verändern, ist eine tolle Prämisse für ein Spiel dieser Art.
Wenn Sega das Problem mit dem Animation-Lock in den Griff bekommt, kriegt Stranger Than Heaven von uns eine Empfehlung, für alle, die Fans von Spielen wie Mafia, Sleeping Dogs und Co. sind. Hier könnte etwas richtig Großes im Januar 2027 auf uns zukommen.

