Immer öfter bekommen MMOs keine deutsche Übersetzung, oder schaffen sie, wie im Fall von Lost Ark, sogar nachträglich wieder ab. Gravity wagt mit Ragnarok Zero: Global einen neuen Start in Deutschland und zeigt in Sachen Lokalisierung, wie es richtig geht.
Was ist Ragnarok Zero: Global? Ragnarok Online hat wahrscheinlich jeder MMO-Spieler, auch hierzulande, wahrscheinlich schon einmal gehört. Dass sich hinter diesem Franchise mittlerweile satte 15 MMORPGs verstecken, das dürften wohl die wenigsten Leute auf dem Schirm haben.
Ragnarok Zero: Global wird der 16. Titel im Ragnarok-Universum und bringt das bereits vorhandene Ragnarok Zero, das bisher bereits im asiatischen Raum spielbar ist, nach Europa und den Rest der Welt. Unter dem Motto „Wie beim ersten Mal“ ist Ragnarok Zero: Global eine Art Classic-Version von Ragnarok. Viele moderne Mechaniken, wie den Rebirth eines Charakters, wird es also nicht geben.
Und das neue Spiel soll tatsächlich nur die Speerspitze bilden, in Gravitys Erweiterung nach Europa. Bis Ende 2027 sollen noch 5 weitere Ragnarok-Titel erscheinen, begleitet von Merchandise und anderen Beiprodukten, wie einer animierten Serie oder sogar einem Musical.
Wie genau die Pläne aussehen, hat uns Publisher und Entwickler Gravity auf einem „Player & Media Meetup“ in Frankfurt vorgestellt, bei dem wir von MMO News ebenfalls eingeladen waren.

Inhaltsverzeichnis
Ragnarok möchte in Deutschland durchstarten
Wie sieht die Lokalisierung aus? Bei Ragnarok denken viele Menschen gleichzeitig auch an Pay2Win und Gacha. Dass diese Mechaniken in Deutschland nicht gut ankommen, dem ist man sich bei Gravity bewusst. Ragnarok Zero: Global wird komplett ohne Gacha in Europa starten und Pay2Win auf ein Minimum begrenzen.
Das sieht in der Praxis dann so aus, dass es zwar diverse Items und Tränke im Echtgeldshop geben wird, die die Statuswerte der Spieler verbessern, diese Items soll es aber auch zur Hauf in der Spielwelt und in monatlichen Events zu ergattern geben. Ein Einkaufen für regelmäßige Spieler dürfte nicht notwendig sein.
Damit sich das MMORPG finanziell trotzdem trägt, setzt Zero: Global auf ein Abomodell. Ihr müsst also monatlich bezahlen, um Ragnarok spielen zu können. Wie viel genau ihr dafür hinlegen müsst, ist aktuell noch nicht bekannt.

Was wird noch gemacht? Neben diesen Gameplay-Ansätzen, wendet Gravity ebenfalls Ressourcen auf, um das Spiel vollständig in 8 Sprachen zu übersetzen. Mit dabei sind Englisch, Französisch, Deutsch und Spanisch. Jede vertretene Sprache bekommt außerdem ein Support-Team zur Seite gestellt, das die Spieler 24/7 betreuen soll. Habt ihr ein Problem in Ragnarok Zero: Global, könnt ihr also selbst Sonntag Nacht um 3 Hilfe auf Deutsch erwarten, stark!
Die Lokalisierung geht aber sogar noch darüber hinaus. Selbst der Soundtrack im Spiel selbst soll auf das jeweilige Land angepasst sein und mit musikalischen Akzenten spielen, die typisch für die jeweilige Region sind. Vor Ort durften wir bereits in das deutsche und französische Theme reinhören. Wenig überraschend klingt der deutsche Soundtrack recht bayerisch. Dennoch eine Art der Lokalisierung, die doch eher selten ist.
Des Weiteren bekommt jedes vertrene Land eine eigene Region in Ragnarok Zero: Global gewidmet. Für Deutschland ist das die Map Nordfeld, die unter anderem von einer reichen Bierkultur profitieren soll. Wie das dann im Spiel und in der Story aussieht, bleibt abzuwarten.
Auch wenn sich Ragnarok hier mit Klischees ganz eindeutig nicht zurückhält, kann man Gravity nicht vorwerfen, sie würden sich keine Mühe geben, das Spiel möglichst gut an die Region der Spieler anzupassen, und das ist bewundernswert. Außerdem erhält Ragnarok mit Zero: Global zum ersten Mal in der 24-jährigen Geschichte der IP dedizierte Server für und in Europa, was Fans freuen dürfte.

Was ist neu in Zero: Global? Roadmap für das erste Jahr steht bereits
Was ist neu? Neben der Lokalisierung gibt es aber noch weitere neue Inhalte, auf die sich Fans freuen dürfen. Insgesamt 6 neue Features bringt Zero: Global gegenüber Ragnarok Zero mit. Zu diesen gehören unter anderem neue Karten, eine neue UI und ein dazugehöriges Browserspiel, bei dem ihr im Tamagotchi-Stil euer eigenes Poring züchtet. Dieses könnt ihr dann in das MMORPG übertragen und dort als Pet benutzen.
Ein weiteres Feature ist eine komplett neue Story. Der Chef des Spiels sagt auf der Bühne: „Der Grundsatz war es, Ragnarok von Null an neu zu denken.“ Der Fokus soll dabei übrigens auf dem PC liegen, das käme in Europa einfach besser an.
Außerdem kommen die MVP-Raids ins Spiel. Ein Spielmodus, der wahlweise im PvP und PvE bestritten werden kann, bei dem es darum geht, einen monatlich wechselnden Boss zu töten und dafür Loot zu bekommen. Im PvP dürft ihr euch währenddessen dann zusätzlich mit anderen Spielern schlagen.

Das letzte neue Feature im Bunde ist das Auto-Hunting. Dabei handelt es sich um eine Form des Autoplay, bei der ihr selbst einstellen können sollt, welche Skills und Items das Tool für euch benutzt. Auf Nachfrage im Interview erklärt der Europa-Chef von Ragnarok, dass das Autoplay im Endgame keine Rolle spiele, da per Hand spielen immer besser sei, als Autoplay. Die angesprochenen MVP-Raids sind im Autoplay z. B. auch gar nicht machbar.
Stattdessen, so Gravity, habe man Autoplay eingebaut, um die Schere zwischen den Spielern mit viel und wenig Zeit zu schließen. Wenn man wenig Zeit, oder einfach auch gar keine Lust auf das Grinden nach Items hat, kann man das jetzt einfach automatisieren. Aus Sicht der Entwickler kommt man den Spielern mit diesem Feature also entgegen. Die Fans im Publikum waren davon allerdings eher wenig begeistert.

Was passiert nach dem Release? Nach dem Release von Ragnarok Zero: Global am 18. August soll das MMORPG monatliche Updates erhalten. Eine Roadmap für diese wurde uns auf dem Event ebenfalls bereits präsentiert. Mit dabei sind mehrere Erhöhungen des maximalen Levels, neue Karten, neue Dungeons, mehr Story und neue Klassen wie der Ninja.
Aktuell steht die Roadmap im Groben bis Juli 2027. Auf Nachfrage erklärt Gravity, dass man nach diesem Zeitraum nicht versprechen könne, an den monatlichen Updates festzuhalten. Man möchte Zero: Global weiter voranbringen, nach dem ersten Jahr könnte es allerdings etwas langsamer werden, so die Entwickler.
Außerdem soll sich die sogenannte „RO Factory“ nach dem Release noch weiterentwickeln. Dabei handelt es sich um ein Tool, mit dem Spieler ihre eigenen Inhalte in Ragnarok Zero: Global erstellen und benutzen können. Starten wird die RO Factory erst einmal nur mit Fußspuren, die ihr euch selbst basteln und verwenden könnt. Wie und wann das Feature monetarisiert wird und welche Dinge die Fans am Ende noch erstellen können, das wisse man bei Gravity aktuell noch nicht, so der Projektmanager für Europa. Es handle sich um eine Pilotphase, die auch stark von Spielerfeedback abhängig sei.

Ragnarok soll über das Spiel hinauswachsen
Was kommt noch? Ragnarok soll mehr als ein MMORPG und mehr als nur ein Spiel werden, das erklären die Entwickler vor Ort. Ragnarok soll etwas sein, „das die Herzen der Leute berührt“, so der Chef von Gravity auf der Bühne. Um das auch in Europa klarzumachen, setzt der Publisher auf mehr als nur neue Spiele. In Zukunft könnt ihr euch also auf folgende Ragnarok-Ereignisse freuen:
- Eine animierte Serie im Ragnarok-Universum
- Eine TV-Serie im selben Setting
- Ein Live-Musical, das die Geschichte von Ragnarok besingt
- Ein Golf-Spiel
- Get Poring, das Tamagotchi-Begleitspiel für Zero: Global als Standalone-Game
- Ein Golf-Spiel
- Merchandise
- Zusammenarbeit mit verschiedenen Marken, wie z. B. Baby Shark

Fazit: Eines ist definitiv klar: Gravity möchte den europäischen Markt erobern, mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen. Ob ihr selbsterklärter Plan, „die World Leading Entertainment Group“ zu werden, damit aufgeht, möchte ich an dieser Stelle nicht beurteilen.
Trotzdem geht Ragnarok Zero: Global einen guten Weg ein, zeigt vollen Einsatz in Sachen Lokalisierung und möchte klar zur Marke werden und nicht nur zum neuen MMORPG. Mit dabei helfen sollen künftig Creator-Kampagnen, Events in Europa und Deutschland sowie eine starke Bindung zur Community, auf welche man auch in Monetarisierungsfragen hören möchte.
Was man am Ende davon hält, bleibt jedem Spieler da draußen selbst überlassen. Es ist in meinen Augen aber bemerkenswert, wenn ein MMORPG die Erweiterung nach Europa eben nicht „nebenbei“ macht, sondern auf voller Schiene, auf allen Kanälen und mit vielen Ressourcen dahinter. Das ist etwas, was sich viele Publisher und Entwickler bei Gravity abschauen könnten.
Was haltet ihr von dem Europastart von Ragnarok Zero: Global? Werdet ihr dem MMORPG eine Chance geben? Was haltet ihr von der Lokalisierung? Schreibt es uns gerne in die Kommentare hier bei MMO News. Mehr zum Event und zu Ragnarok Zero: Global könnt ihr in der kommenden Folge des Podcasts hören.
