Aion 2 erscheint Ende September bei uns in Europa. Wir wissen inzwischen eigentlich fast alles über das Spiel, seien es Klassen, die Inhalte, das Gameplay oder die Monetarisierung. Doch eine Frage bleibt: Wird das bei uns ein Erfolg oder nicht? Gerade nach Flops wie Elyon, Blue Protocol oder auch Throne and Liberty sind viele eher skeptisch.
Das spricht für einen Erfolg von Aion 2
Der Markt: Der erste positive Aspekt ist die generelle Ausgangslage auf dem Markt. Denn Aion 2 kommt zu einem Zeitpunkt, wo große neue MMORPGs tatsächlich Mangelware sind. 2021 konkurrierte ein Elyon etwa noch mit Spielen wie Swords of Legends, New World und später Lost Ark. Sie alle sind innerhalb von 9 Monaten erschienen.
Schaut man auf die aktuelle Release-Liste, so war das letzte echte Highlight Throne and Liberty im Oktober 2024 und das ist ziemlich genau zwei Jahre her. Die allgemeine MMORPG-Community lechzt also nach einem neuen Spiel, auch, weil die etablierten Spiele keine großen Updates mehr bekommen:
- WoW bringt seinen Patch 12.1 bereits im August
- Guild Wars 2 den Abschluss der aktuellen Erweiterung im September
- Final Fantasy bereitet sich auf Evercold im Januar 2027 vor
- und bei ESO weist die neue Roadmap ja einige Lücken auf.
Die Kolumne als Video:
Trennung zwischen PvE und PvP: Ein zweiter positiver Punkt ist die starke Trennung zwischen PvE und PvP. Wer möchte, kann Aion 2 komplett ohne den Kampf gegen andere Spieler erleben. In der offenen Welt lässt sich das PvP deaktivieren und ihr könnt in Ruhe questen, Instanzen besuchen und Ausrüstung farmen. Selbst die unterscheidet zwischen PvE und PvP.
Wer hingegen Lust hat, kann aber auch im Kampf gegen andere Spieler Spaß haben. Hier gibt es den Abyss, die Rift-Battles und in Korea wurden auch schon weitere Inhalte veröffentlicht.
Umfang und neue Updates: Zum zweiten Punkt passen auch die Themen Umfang und Update-Zyklus. Die sind etwas schwerer zu bewerten, weil wir nicht wissen, auf welchem Stand Aion 2 bei uns genau sein wird. Was NCSoft in Korea und Taiwan aber extrem gut gemacht hat, war der Content-Nachschub.
Fast jede Woche gab es ein Update, das neue Dungeons, neue Inhalte für den Abyss und inzwischen sogar eine neue Klasse, ein neues Gebiet und eine Erhöhung des Level-Caps gebracht hat. Für die ersten 9 Monate nach dem Release ein starker Wert.
Technik, Grafik und Gameplay: Was das Thema Technik angeht, so sehe ich auch hier einen Pluspunkt für das MMORPG. Grafisch sieht es gut aus, die Performance hat zumindest in Korea und Taiwan funktioniert und das Kampfsystem macht einfach unheimlich viel Spaß. Es bietet zudem einen guten Mix aus Tab-Target und Dynamik, was ja auch schon ein großer Sellingpoint von Guild Wars 2 war.
Free2Play als Hebel: Aion 2 setzt auf ein Free2Play-Modell. Das erhöht die Zugänglichkeit massiv, wie auch der Start von Lost Ark gezeigt hat. Buy2Play bremst eher etwas aus, was einige Spiele lernen mussten, die dann später das Modell gewechselt haben, etwa Swords of Legends oder Elyon.
Nostalgie: Und zu guter Letzt ist Aion eine Marke. Eine, die zwar im Westen ordentlich gelitten hat, durch Pay2Win, durch kontroverse Entscheidungen zum Abyss und zuletzt durch Autoplay. Dennoch haben viele nostalgische Erinnerungen an den ersten Teil, den sie mal in ihrer Jugend oder im Studierendenalter gespielt haben.
Das spricht gegen einen Erfolg von Aion 2
Viel und sehr stumpfer Grind: Ein kritischer Punkt ist sicherlich das Thema Ausrüstungsgrind, denn der wird in dem MMORPG großgeschrieben. Um euch den perfekten Charakter zu erspielen, müsst ihr oft die gleichen Inhalte spielen und viel Währung farmen. Manche werden jetzt sagen, dass dies ja ein Kernelement des Genres ist, andere könnte das aber abschrecken.
Viel nackte Haut: Ebenfalls abschreckend können die kosmetischen Inhalte im Spiel wirken. Wie für ein koreanisches MMORPG üblich, wird mit nackter Haut nicht gegeizt, und Mervin Lee Kwai, der Chef hier im Westen, hat betont, dass man daran auch nichts ändern wolle.
Die Monetarisierung: Free2Play ist zwar nett, doch wenn man sich die gesamte Monetarisierung anschaut, dann muss man schon skeptisch sein. Man setzt nicht nur auf viele Modelle – Gründerpakete für den Headstart, einen Shop mit Cosmetics, ein Abo, das man zwingend benötigt, um mit anderen handeln zu können, und charaktergebundene Battlepässe – man hat auch noch den Währungsumtausch drin.
Spieler können sich für echtes Geld Quna kaufen und das an andere Spieler für Kinah, die Ingame-Währung, verkaufen. Dadurch könnt ihr euch direkt Ingame-Währung kaufen, die bei Aion 2 eine wichtige Rolle spielt. Ihr kauft darüber Fähigkeiten, Tränke und Consumables, ihr braucht es für Aufwertungen der Ausrüstung, rollt damit immer wieder zufällige Stats aus und natürlich lässt sich auch damit im Spiel handeln. Wer möchte, kann so Hunderte oder Tausende Euro auf das Spiel werfen und sich massive Vorteile erkaufen.
Im PvE mag das nicht so relevant sein, im PvP aber wird man massiv stärker. So stark, dass es Videos aus Asien gibt, bei denen ein Spieler es mit 15 oder sogar mehr gleichzeitig aufnehmen kann.
Das UI: Ein vierter Kritikpunkt liegt dann übrigens noch beim UI. Da merkt man, dass Aion 2 mal ein MMORPG mit Crossplay zum Smartphone war, wobei der Release im Westen ausschließlich für den PC stattfindet.
Fazit: Aion 2 wird gut starten, doch wie es weitergeht, hängt von NCSoft ab
Wie wird Aion 2 starten? PvE-Fokus, Contentbreite, Marktlage und Nostalgie – das sind vier positive Dinge, die ein Throne and Liberty beispielsweise nicht hatte und die deutlich für Aion 2 sprechen. Ich gehe deshalb fest davon aus, dass das neue MMORPG von NCSoft bei uns mindestens mit den gleichen Spielerzahlen starten wird, also über 300.000 gleichzeitigen Nutzern im Peak.

Theoretisch sollte sogar deutlich mehr drin sein, wobei ich nicht glaube, dass es an die alten Zahlen von New World oder Lost Ark herankommen wird. Dafür sind viele Spieler inzwischen zu skeptisch gegenüber neuen MMORPGs, speziell aus Asien, geworden.
Doch wie sieht das langfristig aus? Das hängt meiner Meinung nach von mehreren Faktoren ab:
- Welche Version bekommen wir?
- Wie schnell wird es Updates geben
- Wie kommuniziert man mit uns?
- Und wie gut nehmen die westlichen Spieler den Grind, vor allem aber die Monetarisierung auf?
Wie üblich wird es nach dem ersten Hype mit den Zahlen heruntergehen. Das war übrigens in Korea nicht so, da stiegen die Spielermassen über zwei Monate fast konstant an. Das hat man sich durch gute Kommunikation mit den Fans und regelmäßige Updates erarbeitet. Und genau da habe ich etwas Sorge.
Denn allein die Tatsache, dass wir knapp einen Monat vor dem Release noch nicht wissen, welche Spielversion von Aion 2 wir bekommen, zeigt die Probleme in der Kommunikation. Gleiches gilt für das Trara um das Release-Datum, das noch immer nicht offiziell verkündet wurde. Wirklich viel Vertrauen hat sich NCSoft damit bei mir nicht verdient.
Das gilt übrigens auch für die Monetarisierung. Ich hatte wirklich gehofft, dass man uns im Westen etwas entgegenkommt. Doch genau das Gegenteil war der Fall, mit den Gründerpaketen kam sogar noch etwas drauf. Spannend ist aber, dass aktuell im offiziellen Discord darüber diskutiert wird, eine Obergrenze für den Umtausch von Quna in Kinah pro Spieler pro Monat einzuführen. Das würde den Pay2Win-Aspekt zumindest etwas eindämmen.
Meine Prognose: Aion 2 wird kein Flop – aber auch kein „WoW-Killer“
Nach über 100 Spielstunden in Taiwan und hunderten Stunden, die ich mich mit Aion 2 beschäftigt habe, möchte ich einfach mal meine Prognose abgeben. Ich rechne mit:
- Etwa 500.000 Spielern im Peak zum Start.
- Mit über 100.000 Spielern pro Tag im Peak bis Dezember.
- Wenn Content-Rhythmus und Kommunikation stimmen, traue ich dem Titel einen Verlauf von Lost Ark zu, nämlich viele Monate über der Marke von 100.000.
- Wieder steigende Spielerzahlen im April/Mai, wenn dann die erste Erweiterung kommt.
Sollten sie an dem aktuellen Kommunikationsstil festhalten, könnte es aber auch deutlich schneller nach unten gehen. Aber allein weil es in Korea ein riesiger Erfolg ist und dort massig Content produziert wird, ist Aion 2 kein Kandidat, der schnell abgeschaltet wird. Ich rechne mit einem Fortbestand über viele Jahre.
Wichtig ist aber: Aion 2 wird kein WoW-Killer. Aion 2 ist nicht der große Heilsbringer der MMORPGs. Es besetzt die Nische der Asia‑MMOs, und das vor allem mit einem Fokus auf PvE-Spieler, was wir länger nicht mehr hatten. Solltet ihr euch nach einem eher westlichen Titel ohne Grind und komplett ohne Pay2Win sehnen, dann solltet ihr die Finger von Aion 2 lassen.
Wie seht ihr das MMORPG und seine Zukunft? Traut ihr dem Spiel einen langfristigen Erfolg zu? Mehr zu den Inhalten von Aion 2 findet ihr in unserem Hub zum Spiel.
