MMORPGs von großen Studios sind derzeit eher die Ausnahme als die Regel. Wirklich Hoffnung setzten viele gerade vor allem in Guild Wars 3 und das MMORPG von Riot Games, doch wann und ob diese überhaupt erscheinen, das ist ja völlig offen. Deutlich weiter sind jedoch bereits einige Indie-MMORPGs, von denen ich fünf sogar richtig viel zutraue.
Inhaltsverzeichnis
Hollowed Oath
Der erste Titel der Liste ist gleichzeitig der, der am weitesten weg ist, nämlich Hollowed Oath. Was die Kern-Mechaniken angeht, so setzt der Titel auf Old School-Inhalte, will aber gleichzeitig frischen Wind ins Genre bringen. Dies geschieht etwa dadurch, dass ihr aus 16 verschiedenen Klassen wählen und drei von ihnen gleichzeitig kombinieren könnt. Mit dabei sind typische Spielweisen wie Krieger, Assassine oder Elementalist, aber auch der Runesinger, der Golemancer und der Illusionist. Insgesamt 560 Kombinationen sind so möglich und es soll sogar Kettenangriffe geben, die Fähigkeiten verschiedener Klassen verbinden.
Crafting und der Ausrüstungsfortschritt sollen eine wichtigere Rolle als bei modernen Spielen einnehmen. So sollt ihr euch wieder über Drops freuen und euer Entdeckerdrang wird gefördert.
Entstanden ist die Idee zu Hollowed Oath aus einem Privatserver zu EverQuest. Denn das Team, das damals The Heroes Journey ins Leben gerufen hat, steckt nun hinter diesem Spiel. Wer jedoch eine Art EverQuest-Klon erwartet, der wird vielleicht etwas enttäuscht:
- Zum einen setzt das Team auf die moderne Unreal Engine 5 und auch wenn wir uns derzeit noch in einer Pre-Alpha befinden, finde ich das Spiel optisch schon schöner als die alten EverQuest-Titel.
- Zum anderen möchte man auch Solo-Spieler fördern und die Zeit der Spieler respektieren. Deshalb wird es moderne Elemente wie Schnellreise oder einen Gruppenfinder geben.
Und genau das ist auch der Grund, warum ich hier deutlich mehr Hoffnung habe als bei einem Monsters and Memories oder Pantheon. Man hält zwar zu einem gewissen Maß an Old School-Tugenden fest, verschließt sich aber nicht komplett vor dem Zeitgeist. Zudem hatte ihr Konzept bereits Erfolg. Laut der offiziellen Aussage vor Gericht hatte der Privatserver rund 36.000 monatlich aktive Spieler vorzuweisen. Sollten sie ähnliche Zahlen erreichen, wird uns Hollowed Oath über viele Jahre begleiten.
2026 sammelten sie auf Kickstarter 100.000 Dollar für die Umsetzung, am Ende kamen rund 167.000 zusammen. Man arbeitet nun nicht nur an der Umsetzung, sondern auch an der Suche nach weiteren Geldgebern.
Project I
Richtig ominös wird es bei dem Spiel Nummer 2 auf dieser Liste, nämlich Project I. Dieser Titel wurde offiziell noch gar nicht vorgestellt, allerdings hört man hinter vorgehaltener Hand einiges darüber. Erstmals publik gemacht hat der YouTuber Kanon dieses Spiel. Er wurde nämlich live im Stream zum Test eingeladen und hat ein wenig Gameplay gezeigt.
Optisch erinnert das MMORPG an einen Mix aus Ashes of Creation und Guild Wars 2, inhaltlich soll es wohl eher in die Richtung ArcheAge gehen. So soll es drei Fraktionen geben, die sich in der Spielwelt bekämpfen, und Massenschlachten stehen im Fokus.
Was mir direkt positiv aufgefallen ist, das ist das Kampfsystem. Nach dem, was ich so ausmachen konnte, setzt es auf Tab-Targeting, das aber mit viel Dynamik und einer Ausweichrolle. Mit 16 Fähigkeiten bietet es dabei eine größere Auswahl als viele der modernen MMORPGs und vom Interface her erinnert es ebenfalls an Guild Wars 2.
Vieles spricht dafür, dass wir hier einen modernen Nachfolger von ArcheAge sehen, und wenn dieser ohne Pay2Win auskommt, ist ein Erfolg sehr wahrscheinlich.
Eternal Tombs
Eternal Tombs hat im Laufe der Jahre schon einige Wandlungen durchgemacht. So startete es 2019 unter dem Namen War of Dragnarox und bot ein Tab-Target-Kampfsystem. 2023 fand dann das Rebranding zu Eternal Tombs statt und man setzte fortan auf ein Action-Combat. Der Kern hat sich dennoch nicht verändert.
Man möchte ein PvE-orientiertes Spiel sein, das verschiedene Gebiete, Dungeons und vor allem knackige Raids bietet. Grafisch gehört es zu den eher besseren Indie-Titeln, und was die Monetarisierung angeht, so möchte man auf Buy2Play mit optionalem Abo setzen, verzichtet aber sonst auf Mikrotransaktionen. Und dann gibt es da noch den Clou mit den Dungeon Mastern.
Jeder Entwickler soll dank eines besonderen Tools in der Lage sein, die Spielwelt zu verändern, sei es durch:
- dynamische Events
- das Spawnen von Bossen
- das Öffnen von Geheimgängen
- oder einfach nur einer Flut von Ressourcen, die an einer Stelle aus dem Boden sprießt.
So soll sich jeder Tag etwas anders anfühlen. Eternal Tombs soll Anfang 2027 erscheinen und zwar direkt als voller Release ohne Early Access. Auch das ist heute fast schon eine Besonderheit. Aufgrund der allgemeinen PvE-Ausrichtung, der Optik und der Idee mit den Dungeon-Mastern rechne ich nicht mit einem riesigen Hype, aber eben mit einem dauerhaften Erfolg in einer mittelgroßen Zielgruppe.
Drakantos
Meine vierte Hoffnung ruht auf Drakantos, einem Pixel-Art-MMORPG, über das wir immer mal wieder sprechen. Hier wählt ihr einen Helden, wobei euch 20 zur Auswahl stehen, und ihr könnt zudem über Orbs die einzelnen Fähigkeiten modifizieren. Das soll für ordentlich Build-Vielfalt sorgen.
Mit eurem Charakter erlebt ihr dann Abenteuer in der Welt Eldras. Dort sollt ihr keiner übergreifenden Story folgen und man möchte auf typische Sammel- und Rede-Quests verzichten. Stattdessen lernt ihr wahlweise neue Systeme über Quests oder erlebt verschiedene Nebengeschichten, die teilweise sogar Cutscenes bekommen sollen.
Generell klingt der versprochene Content sehr gut:
- Für PvE-Spieler gibt es unter anderem die dynamischen Dungeons. Hierfür haben die Entwickler 120 Teilstücke selbst gebaut, die dann immer zufällig zusammengesteckt werden.
- Hinzu kommen zufällige Fallen, rotierende Bosse und eine Chance auf zufällige Events die darin passieren können.
- Was das PvP angeht, so planen sie mit Duellen, PvEvP-Extraction-Battlegrounds, einer Moba-artigen Arena und Adventure Invasions.
- Dabei können bestimmte PvE-Inhalte zu PvP-Kämpfen werden. Wichtig dabei ist jedoch, dass alle Kämpfe im PvP fair gestaltet sein sollen. Alle starten mit der gleichen Ausrüstung und auch die Verlierer bekommen Belohnungen dafür, dass sie an den Spielerkämpfen teilgenommen haben. Zudem kann man genau diese Inhalte auch aktiv vermeiden und so als reiner PvE-Spieler durch die Welt gehen.
- Zu guter Letzt soll es auch ein Crafting-System, Housing, Ranglisten und Minispiele geben.
Insgesamt sind das sehr ambitionierte Ziele für ein Indie-MMORPG. Sollten sie aber genau diese Ziele umsetzen können, dann sehe ich hier einen Titel, der zwar eine Nische belegt, diese aber gut ausfüllen würde. Genau deshalb traue ich Drakantos auch einen langfristigen Erfolg zu.
Corepunk
Der letzte Titel dieser Liste ist eine Besonderheit, denn der Titel ist bereits im Early Access erschienen, hat aber sein Potential längst nicht abgerufen. Wir sprechen von Corepunk. Optisch erinnert es mit der bunten Grafik, dem Steampunk-Stil und der Iso-Perspektive an einen Mix aus League of Legends und WildStar. Spielerisch macht gerade das Kampfsystem sehr viel Spaß.
Corepunk will auf seine Art ein Old School-Titel sein, aber mit einigen modernen Ansätzen. Und gerade hier kommt eine besondere AI ins Spiel, die die Welt als ihr Schachbrett sieht. Dieses Mastermind versucht Points of Interest und sogar ganze Siedlungen zu übernehmen. Dazu beschwört es Weltbosse, verseucht Gebiete, startet Invasionen und attackiert Städte. Die Stärke der Angriffe soll dabei von der Gegenwehr der Spieler abhängen und es handelt eben nicht nach festen Timern. Das soll zu einem neuen und besonderen Spielrhythmus führen und geht etwas in Richtung Sandpark, einer Mischung aus klassischen Story- und Sandbox-MMORPGs.
Insgesamt befindet sich Corepunk aktuell auch in einem besseren Zustand als zum Start des Early Access. Gerade der Einstieg ist heute viel angenehmer, mit Lebenspunkte-Regeneration, zusätzlichen Quests und leichteren Feinden. Prison Island als besonderer Ort mit PvEvP-Extraction-Gameplay macht Spaß und mittlerweile gibt es feste PvP-Arenen, in denen man sich bekämpfen kann. Allerdings wurden im Laufe der Zeit auch einige Features verschlimmbessert, etwa die Item-Progression oder die Monetarisierung.
Dennoch habe ich das Gefühl, dass Corepunk mehr sein könnte und müsste. Am Ende scheitert es aber an den Entwicklern, die sich überschätzen und Fehler machen. Das wäre eigentlich nicht schlimm, würden sie das nicht immer wieder runterspielen und generell schlecht mit den Fans kommunizieren. Trotzdem sehe ich noch immer ein riesiges Potential in dem Spiel und hoffe, dass das zum vollständigen Release – gefühlt erst 2030 – abgerufen wird.
Was sagt ihr zu den fünf MMORPGs in dieser Liste? Setzt ihr in einen dieser Titel Hoffnung? Oder müssen es am Ende doch die großen Studios richten? Schreibt es gerne in die Kommentare. Und wenn ihr euch für weitere neue MMORPGs interessiert, dann schaut doch in unsere Liste mit allen Titeln in Entwicklung.
